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Zocken mit Linux, geht das überhaupt?

Zocken mit Linux, geht das überhaupt?

Linux - zahlreiche Entwickler haben es über die Jahre hin immer wieder modifiziert und verbessert, aber eignet es sich auch fürs Zocken?

26. April 2019 zuvor veröffentlicht

Linux ist für viele versierte PC-Benutzer das Betriebssystem der Wahl, weil es einem mehr Freiraum zur Personalisierung einräumt, und man somit nicht an die Vorgaben von Apple, oder Microsoft gebunden ist. Gerade User mit geringem Budget greifen oft auf die kostenfreie Software zurück, weil der qualitative Unterschied zu den Marktführern mittlerweile kaum noch zu spüren ist. Gerade bei Leuten mit Programmierkenntnissen ist Linux sehr beliebt, weil man direkt in den Code des Systems eingreifen, und so Veränderungen vornehmen kann.

Früher war Linux noch eher etwas für richtige Computerfreaks, weil man doch öfter mal ein bisschen Code schreiben musste, um das Betriebssystem nach seinen Wünschen zu konfigurieren. Mittlerweile hat sich die Software so sehr weiterentwickelt, dass auch so gut wie jeder „normale“ User damit klarkommen sollte.

Doch wie stehts mit dem Zocken?

Geld sparen beim Betriebssystem ist ja schön und gut, aber kann man auf Linux auch Zocken? Die Antwort darauf ist „Ja“, jedoch ist es komplizierter, als man anfangs annehmen mag. Früher sah es für Linux-Gamer noch sehr sehr düster aus, weil Spiele, die für Windows entwickelt wurden, extra nochmal für Linux programmiert werden mussten. Da es damals noch weniger Linux-User gab, haben sich viele Entwickler die Mühe gespart das Spiel nochmal für Linux aufzusetzen.

Mitte der 90er hatte sich das Programm Wine für Linux durchgesetzt, welches es dem User ermöglicht Windows-Programme auf Linux auszuführen. Gamer haben das mit einem lachendem und einem weinenden Auge gesehen, weil der Kopierschutz vieler Spiele von damals eine Übertragung per Wine nicht so einfach zugelassen hat. Somit konnten Gamer mehr Spiele als vorher spielen, jedoch noch lange nicht alle.

Auf Wine folgte Lutris, ein Free Open Source Software Spiele-Manager, mit dem man Linux-fremde Spiele und Clients, wie Uplay und Steam, auf seinem Linux-Rechner installieren und spielen konnte. Lutris ist bis heute der umfangreichste Software Spiele-Manager und bietet seinen Usern Zugriff auf Clients und Emulatoren aller Art.

Durch Lutris hat Gaming in der Linux-Community erst so richtig Fuß fassen können, und nur kurze Zeit später erkannte Valve den Trend, und hat für Steam seine eigene Wine-Variante entwickelt: Proton.

Protons Implementierung auf Steam hat es ermöglicht, dass User jetzt ganz einfach per Mausklick auswählen können, ob sie ein bestimmtes Spiel für Windows, oder für Linux kaufen möchte. Zwar sind nicht alle Spiele der Steam-Bibliothek auch auf Linux verfügbar, jedoch sind seit der Beta-Phase der Software ungefähr 6.000 neue Spiele für Linux-User verfügbar geworden. Das erfreut nicht nur die Gamer, sondern auch die Entwicklerstudios, weil sie dank Proton keine extra Linux-Version ihrer Spiele mehr produzieren müssen, da die Software es von Windows auf Linux „übersetzt“.

Proton hat das Zocken auf Linux erst so richtig massentauglich gemacht. Zwar konnte man mit Lutris auch schon auf eine große Auswahl von Games zugreifen, jedoch war damals noch deutlich mehr Fummelei und Fachwissen gefragt, als es heutzutage der Fall ist.

Wo ist dann das Problem?

Proton verwendet zur Implementierung von DirectX 11 und DirectX 12 die Linux-übliche Grafik-Programmschnittstelle Vulkan. Zwar bietet Proton eine bessere Multithreading-, Controller- und Vollbildunterstützung als es Wine jemals konnte, jedoch gibt es noch einige Probleme mit der Grafikleistung.

Wenn man beispielsweise eine Nvidia Grafikkarte benutzt, sollte man, anstatt auf den Linux-eigenen, unbedingt auf den hauseigenen Nvidia-Treiber umsteigen, da man sonst mit Framerate-Drops von bis zu 70% rechnen muss. Leider wird einem so etwas vom System nicht mitgeteilt, deswegen muss man sich ein wenig durchprobieren, bis das Ergebnis stimmt. Bei AMD-Karten sollte man, im Gegensatz zu Nvidia, auf den Linux-eigenen Treiber zurückgreifen.

Obwohl es im Vergleich zu früher deutlich einfacher geworden ist die verschiedenen Einstellungen vorzunehmen, fehlt einem ein wenig das „An-die-Hand-genommen-werden“ von Windows oder Apple, die einem sofort mitteilen, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es soll.

Shadow für Linux

Obwohl Gaming für Linux deutlich einfacher und benutzerfreundlicher geworden ist, behält Windows die Oberhand. Mit Linux ist man immer noch in seiner Spieleauswahl begrenzt, und das wird auch vorerst so bleiben. Neue AAA-Titel sind im Regelfall für Windows optimiert, dadurch besteht stets das Risiko dieses Spiel vielleicht gar nicht auf Linux spielen zu können. Es sei denn, es wird durch Proton o.ä. übersetzt.

Wenn nun aber der Fall eintritt, dass man ein Spiel zocken möchte, dass nicht „übersetzt“ wurde, muss man über einen Windows-Emulator auf das Spiel zugreifen. Diese Emulatoren beanspruchen sehr viel Leistung bevor das Spiel überhaupt gestartet ist, dass wirkt sich dann selbstverständlich auf die Performance des Spiels aus. Man kann zwar aus seinem Linux-Rechner mehr Leistung rausholen, als aus demselben Windows-PC, die Auswirkungen des Emulators wird man dennoch spüren.

Deshalb ist Shadow so interessant für Linux-Nutzer. Der User muss keinen aufwendigen Emulator nutzen, sondern greift einfach - über Shadow - auf einen Supercomputer zu, der mit der neuesten Windows-Version ausgestattet ist, und bei dem die Grafiktreiber optimal justiert sind, sodass Framerate-Drops der Vergangenheit angehören. Ein High-Performance-Emulator, wenn man so will. Viel besser ist aber noch, dass der Arbeitsspeicher dadurch geschont wird, und man ganz einfach seinen Linux-Rechner nutzen kann, während man parallel auf einem zweiten Screen Shadow laufen lässt. Man hat quasi einen Linux- und einen Windows-Rechner.

Oftmals ist es ja so, dass Linux-User das Nachsehen haben, wenn es um regelmäßige Updates und Bug-Fixes für ihre Clients geht. Windows hat als meistgenutztes Betriebssystem nun einmal Priorität, ob einem das gefällt, oder nicht. Shadow hat hier jedoch auch an solche Nutzer gedacht, und mit dem Unified Client Project einen Client entwickelt, der für jedes Betriebssystem denselben Code verwendet. Dadurch können neue Features, Verbesserungen und Bug-Fixes schneller auf alle Systeme übertragen werden, und alle Clients bleiben auf demselben Stand.

Für eingefleischte Linux-Fans, die aber gleichzeitig leidenschaftliche Gamer sind, stellt Shadow eine wirklich elegante Lösung dar. Die Möglichkeit, die volle Bandbreite an Games auf den höchstmöglichen Einstellungen, ohne Bastelei, Frustration und Updatestress zu spielen, und dabei sein voll personalisiertes Linux-System genießen zu können, macht Zocken auf einem Linux so einfach wie noch nie.